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Die Wissenschaftler an der Princeton University staunten nicht schlecht, als sie das Ergebnis Ihres Experiments auswerteten. Sie hatten einer Gruppe von Probanden eine knifflige Denkaufgabe gegeben, für deren Lösung jeder beliebig Zeit hatte. Einer zweiten Gruppe gaben sie den Incentive, dass jeder, der unter den 20 schnellsten ist, der die Aufgabe löst, einen mittelhohen Geldbetrag bekommt. Einer dritten Gruppe wurde das Incentive gegeben, dass derjenige, der die Aufgabe am schnellsten löst, einen hohen Geldbetrag bekommt.

Heraus kam: Die Teilnehmer der nicht incentivierten Gruppe lösten die Aufgabe am schnellsten, während diejenigen der letzten Gruppe, wo also sowohl der Druck, nämlich du musst der schnellste sein, um etwas zu bekommen, als auch die Belohnung am höchsten war, am schlechtesten abschnitten.

Eines von zahlreichen Experimenten, das belegt, dass die archaischen Antriebsmechanismen von Zuckerbrot und Peitsche, Strafe und Belohnung, in unserer heutigen komplexen Arbeitswelt nicht mehr funktionieren. Diese alten Methoden waren für einfache, mechanische Tätigkeiten geeignet, Stichwort Akkordlohn. Doch heute, wo es in Firmen mehr um Kreativität, gute Ideen, Kundenorientierung oder innovatives Denken geht, schlagen diese Ansätze fehl und können sogar – wie obiges Experiment zeigt – kontraproduktiv sein.

Was die Wissenschaft schon lange weiss, ist in der Wirtschaft immer noch nicht angekommen, jedenfalls bei weitem noch nicht flächendeckend:

 

Intrinsische Motivation schlägt extrinsische Motivation.

 

Oder anders ausgedrückt: Es geht nicht darum Menschen eine süssere Karotte hinzuhalten, oder sie mit einer schärferen Peitsche zu bedrohen, um die erwünschten Ergebnisse zu bewirken. Intrinsisch motivierte Menschen setzen sich für eine Aufgabe oder das Erreichen eines Ziels ein, weil es ihnen persönlich wichtig ist, weil sie es für sinnvoll halten, weil es ihnen Freude macht, weil es interessant ist, weil sie sich als Teil eines Ganzen sehen, das wichtig ist und Bedeutung hat.

 

Was das genau heisst illustrieren folgende drei Beispiele:

Die australische Software Firma Atlassian gibt ihren Mitarbeitern einmal im Jahr die Aufgabe, in den nächsten 24 Stunden an irgendetwas zu arbeiten, das sie persönlich interessiert. Es darf nur nicht etwas sein, das etwas mit ihrer Arbeit zu tun hat. Am nächsten Tag präsentiert dann jeder seine Ergebnisse und danach wird gemeinsam gefeiert. Dass daraus die interessantesten und revolutionärsten Produktideen und die raffiniertesten Hacks und Softwarefixes entstanden sind, wird wohl niemanden überraschen. Und Spass macht das ganze obendrein.

 

Google hat mit der Einführung der „20% Time“ etwas ähnliches eingeführt. Dort dürfen Mitarbeiter völlig autonom 20% ihrer Arbeitszeit dazu nutzen, an irgendetwas zu arbeiten, das sie interessiert. Ohne thematische Einschränkungen, bar jeglicher Vorgaben.

Das Ergebnis: 50% aller neuen Produkte von Google stammen aus dieser „20% Time“

 

ROWE, steht für Result Only Working Environment, eine Personalführungsstrategie, die in den USA entwickelt wurde und auf deren Basis mittlerweile 40 US Unternehmen arbeiten. Der Kern der Strategie besteht darin, Mitarbeiter nicht mehr für eine bestimmte Anzahl von Arbeitsstunden zu bezahlen, sondern ausschließlich für ein bestimmtes Arbeitsergebnis. In der Praxis bedeutet dies, dass ein Mitarbeiter seine Arbeit zu jeder beliebigen Zeit an jedem beliebigen Ort ausführen kann, solange das Arbeitsergebnis stimmt. Es gibt keinerlei Anwesenheitspflicht im Büro, Meetings sind optional und auch die Wahl der Arbeitsmethoden ist den Mitarbeitern freigestellt.

Ergebnis: Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit gehen nach oben, Fluktuation sinkt.

 

Zugrunde liegt all diesen Beispielen die Berücksichtigung folgender Grundbedürfnisse von uns Menschen:

 

Autonomie: Ich bin Herr meines Lebens. Ich bestimme mit.

 

Meisterschaft: Der Wunsch ständig besser und besser zu werden.

 

Sinn: Das Bestreben dass das, was wir tun, im Dienst einer grösseren Sache steht.

 

Das sind die Bausteine für das Betriebssystem einer völlig neuen Arbeitswelt. Einer Arbeitswelt, die sich in einem tiefen Umbruch befindet.

Die Zeiten, in denen Menschen Produktionsfaktoren waren, sind längst vorbei. Nicht nur körperliche Arbeiten werden heute von Maschinen erledigt. Mit dem Einzug künstlicher Intelligenz in unsere Arbeitswelt, wird man selbst für mental anspruchsvolle Tätigkeiten bald keine Menschen mehr benötigen. Die braucht man dann für Aufgaben, die weder Maschinen noch Rechner bewältigen können. Aufgaben, die das erfordern, was uns im Kern als Menschen ausmacht. Deswegen braucht es dann auch Führungssysteme, die genau dem Rechnung tragen.

 

 

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